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Gedanken zum Nachdenken von P. Maxentius Krah OFM

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 3, 13-17.
Jesus kam von Galiläa her an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes versuchte, ihn davon abzubringen, und sagte: »Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?« Aber Jesus antwortete: »Zögere nicht, mich zu taufen! Das ist es, was wir jetzt tun müssen. So eröffnen wir den Weg, auf dem der Wille Gottes ohne Abstriche erfüllt wird.« Da gab Johannes nach. Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sagte: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt.«

Ein Impuls zum Nachdenken für diese Woche 

Mit der Taufe Jesu im Jordan sind wir schon weit entfernt vom kleinen Kind in der Krippe.
Mit der Taufe Jesu öffnen wir unseren Blick auf den jungen Mann JESUS, der jetzt ungefähr 30 Jahre alt ist. 
Zu Beginn seines öffentlichen Wirkens, machte sich Jesus aus Galiläa, wie Tausende anderer Juden eines Tages auf den mühevollen Fußweg, um Johannes den Täufer am Jordan, ausgerechnet an der Stelle des Flusses zu treffen, an der viele Jahrhunderte vorher die Israeliten auf ihrem Weg aus der ägyptischen Gefangenschaft ins Gelobte Land eingezogen waren.
Dort reiht sich Jesus in die lange Warteschlange der Sünder ein, die auf die Taufe durch Johannes warten.
Indem Jesus, der ohne Sünde ist, sich mit den Sündern solidarisiert und alle Sünden der Menschen, die ihn annehmen, auf seine Schultern nimmt, wird offenkundig, dass er gekommen ist, um die Sünder zu retten.
Jesus sagt: "Ich bin nicht gekommen, solche Menschen in Gottes neue Welt einzuladen, bei denen alles in Ordnung ist, sondern solche, die Gott den Rücken gekehrt haben. Sie soll ich dazu aufrufen, ihr Leben zu ändern"(Lk 5,32).
Und: "Gott sandte den Sohn nicht in die Welt, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten" (Joh 3,17).
Jesus stellt sich nicht über die Menschen, sondern an der tiefsten gelegenen Stelle der Welt, ca. 250 m unter dem Meeresspiegel, steht Jesus an der Seite der Menschen, bei denen nicht alles in Ordnung ist, um zu zeigen, wie eng er mit dem gefallenen Menschen verbunden ist.
Hier darf ich noch einmal an die Weihnachtsbotschaft erinnern: "Gott, wurde ein Mensch, ein wirklicher Mensch von Fleisch und Blut und nahm seine Wohnung unter uns" (Joh 1,14).
Die Menschwerdung Gottes zielt auf die Gemeinschaft der Menschen und auf ihren Neuanfang. 
Im Alten Testament lesen wir, dass die Sünde eine Trennwand zwischen Gott und Mensch aufrichtet. 
Durch den Sündenfall der ersten Menschen Adam’s und Eva’s ist die ganze Menschheit in Sünde gefallen und dadurch von Gott getrennt worden. 
In dem Moment, in dem Jesus aus dem Wasser steigt, öffnete sich der Himmel: ein Zeichen dafür, dass die Trennwand, die den Menschen von Gott fernhielt, beseitigt ist. 
Der Himmel öffnete sich nicht für Jesus, dessen Augen das Innere des Himmels schauen. Nein, vielmehr öffnete sich der Himmel für den gefallenen und sündigen Menschen.
Der Himmel ist offen. 
Das heißt für mich und dich, wir haben freien Zugang zu Gott.
Wir dürfen das Leben unter den Augen Gottes leben ohne Angst und Furcht.
Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Das erinnert mich an die Schöpfung, bei der der Geist Gottes über den Wassern schwebte (Gen 1,2). 
Es erinnert mich ebenfalls an die Taube, die das Ende der Sintflut ankündigte und damit einen Neuanfang signalisierte.
Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und die Stimme des Vaters aus dem Himmel sprach: "Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt." (Mt 3,16-1).
Hier offenbart sich der Dreieinige Gott. 
Heute würde man vielleicht sagen: Hier hat sich der Dreieinige Gott "geoutet".
Was hat das mit mir und meinem Leben zu tun?
Das heutige Geschehen zeigt mir, dass ich darauf vertrauen darf, dass Jesus mehr ist, als nur ein historischer Mensch. 
Obwohl Jesus in vollem Sinn ein Mensch war, hörte er nie auf, der ewige Gott zu sein, durch den alles geschaffen wurde; und ohne ihn nichts entstanden ist.
Von Anfang an war er bei Gott und in allem war er Gott gleich (vgl. Joh 1,1-3). 
Doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen (vgl. Phil 2, 5-7).
Wenn Jesus nicht selber wahrer Gott wäre, so wäre die Trennwand zwischen Gott und Mensch nicht beseitigt worden.
Wenn Jesus nicht selber wahrer Gott wäre, so wäre der Himmel weiterhin verschlossen und wir hätten durch Jesus auch keinen freien Zugang zum Vater und hätten auch nicht am göttlichen Leben Anteil.
Das ist die Wahrheit über Jesus und zugleich die Grundlage aller Wahrheit. 
Wenn ich auf Jesus vertraue, diese fundamentale Wahrheit für mich persönlich annehme und bis zu meinem Tod im Glauben daran festhalte, dann verleiht Jesus mir das Recht, ein Kind Gottes zu sein.
Das bin ich nicht durch natürliche Geburt oder menschliches Wollen und Machen, sondern weil Gott mir durch Jesus ein neues Leben gibt (vgl. Joh 1,12-13).
Dieses neue Leben steht mir, dir und allen Menschen zu Verfügung, die in der Taufe von der Schuld Adams befreit wurden und aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt bekamen.